Datum
23.10.2020
Themenbereiche
Naturrisiken
Image
Inform@Risk Bohrung

Inform@Risk: Erste Bohrungen für Frühwarnsystem in Medellín

Im Oktober wurden die ersten Bohrungen zur Entnahme von Bodenproben und zur Installation von Bodensensoren des Frühwarnsystems für Hangbewegungen in informellen Siedlungen an den steilen Berghängen von Medellín durchgeführt.

Das Projektgebiet liegt auf einer bis zu ca. 50 Meter tiefen Schicht aus Lockergestein oberhalb von verwittertem Dunit-Fels, die besonders erdrutschgefährdet ist und zahlreiche Spuren vorangegangener Hangbewegungen aufweist. Die Bohrungen sollen Aufschluss über die geologische Beschaffenheit des Untergrunds und des Grundwassers geben, um die Gefährdung der Siedlung differenziert beurteilen zu können. Erste Beobachtungen (z.B. offene Risse im Fels und zerbrochene Felspartien) deuten auf aktive Bewegungen im Hang in mindestens bis zu 20 m Tiefe hin.

Neben der Entnahme von Bodenproben, die in den kommenden Wochen im Labor hinsichtlich ihrer mechanischen und hydrogeologischen Eigenschaften detailliert untersucht werden, wurden erste Wasserstands- Neigungs- und Verformungssensoren in bis zu 50 Metern Tiefe in den Bohrlöchern installiert. Dies ist der erste Baustein des Frühwarnsystems, das bis Mitte 2021 im Rahmen des Inform@Risk Projektes in Medellín umgesetzt werden soll. Der nächste Schritt wird die Errichtung einer ca. 100 Meter langen Pilotstrecke der zeitlich und räumlich hochauflösenden horizontalen Scher- und Dehnungssensoren (Continuous Shear Monitor und Drahtextensometer) im Boden sein. Angesichts anhaltender Reisebeschränkungen durch Covid-19 ist dafür ein Transfer von Technik und Fachwissen zur Installation des Frühwarnsystems an Sachverständige vor Ort erforderlich.

Das Projekt Inform@Risk legt bei der Entwicklung des Frühwarnsystems neben der technischen Konzeption einen besonderen Wert auf die Markierung und Gestaltung der Geosensoren im öffentlichen Raum, um Identität und Verantwortungsbewusstsein der vor Ort lebenden Menschen mit dem System zu stärken. Sie wurden daher von Anfang an intensiv in den Planungsprozess einbezogen und über alle Schritte informiert. Eine besondere Herausforderung für die kommenden Monate wird es sein, die Workshops mit den Bewohnerinnen und Bewohnern der Siedlung nach dem Corona Lockdown wieder aufzunehmen, um das System in einem partizipativen Prozess weiterzuentwickeln und testen zu können. 

 

© Carolina Garcia
© Carolina Garcia

 

​© David Ceron
​© David Ceron
​© David Ceron
​© David Ceron

 

© Carolina Garcia
© Carolina Garcia