Datum
29.05.2019
Themenbereiche
Anpassung an den Klimawandel
Landmanagement
Naturrisiken
Regionen
Chile
Ecuador
Peru
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In den chilenischen Anden ist die Gefahr durch Vulkanaktivitäten ständig gegenwärtig. © Riedlinger / DLR
In den chilenischen Anden ist die Gefahr durch Vulkanaktivitäten ständig gegenwärtig.

Anden - Labor für Naturgefahren

Weltweit wachsen städtische Ballungsräume und neue Megalopolen entstehen. Die dichten Siedlungsstrukturen mit teils Millionen von Menschen sind besonders verletzlich gegenüber Naturgefahren. Im Projekt RIESGOS (spanisch: Risiken) untersucht das Erdbeobachtungszentrum (EOC) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) Naturgefahren und deren Wechselwirkungen am Beispiel der Andenregion.

Die Andenregion ist eine durch Naturkatastrophen und die Auswirkungen des Klimawandels stark gefährdete Region. Erdbeben, Tsunamis, Hangrutschungen, Vulkaneruptionen, Waldbrände oder Überflutungen treten hier auf engstem Raum auf. Hier können komplexe Wechselwirkungen untersucht werden. So kann z.B. Starkregen einen Erdrutsch verursachen, der einen Fluss staut und in Folge zu Überflutungen führt. Es ist ein natürliches Labor für Naturgefahren. Der ideale Ort, um wissenschaftliche Methoden zu entwickeln, mögliche Eskalationsketten besser zu verstehen und so künftigen Naturkatastrophen vorzubeugen. Durch die Zusammenarbeit mit Fachgruppen aus Chile, Ecuador und Peru ist RIESGOS bedarfs- und praxisorientiert ausgerichtet.

Zur Stärkung des wissenschaftlichen Austausches und des Dialoges mit südamerikanischen Nutzern reiste eine Delegation von achtzehn deutschen Wissenschaftlern und Industrievertretern im April in die Andenregion. Empfangen wurde die Delegation von einer Serie leichter Erdbeben über mehrere Tage, welche die Relevanz der Arbeiten in den Untersuchungsgebieten direkt vor Augen führte. Im Dialog mit den lokalen Partnern zeigte sich, dass besonders das schwere Erdbeben von 2010 zu einem Bewusstseinswandel im Umgang mit Naturgefahren geführt hat. Das Erdbeben bzw. der dadurch ausgelöste Tsunami hat damals 500 Todesopfer gefordert und einen ökonomischen Schaden im zweistelligen Milliardenbereich verursacht. In den Folgejahren wurde der Zivilschutz verbessert und in Forschung investiert. Veränderungen auf die RIESGOS heute aufsetzen kann.

In den zweitägigen Projekt-Workshops in Santiago de Chile, Lima und Quito standen neue Verfahren zur Multi-Risikobewertung im Mittelpunkt. Anhand von ausgewählten Szenarien für Überschwemmungen, Erdrutsche, Vulkanausbrüche, Erdbeben, Tsunamis wurden unter dem Aspekt Was würde passieren, wenn ...? mögliche Wechselwirkungen und Kaskadeneffekte diskutiert und deren Plausibilität geprüft. Die Erkenntnisse aus den Multi-Risiko-Szenarien sollen im nächsten Schritt in Systemkomponenten und Webdiensten überführt werden. Anhand dieser webbasierten Anwendungsdienste können Entscheidungsträger und Akteure dann später Gefahrenanalysen erstellen und Szenarien mit komplexen Risikoverkettungen in einem Multi-Risiko-Informationssystem-Demonstrator simulieren.

Nach mehr als zwei intensiven Wochen mit Workshops und bilateralen Treffen zieht das RIESGOS-Team ein uneingeschränkt positives Fazit. Auch die Resonanz auf Seite der südamerikanischen Partner ist sehr gut. Gemeinsam möchte man die Forschungsaktivitäten und Systementwicklungen vorantreiben und prototypische Module für künftige Risikoinformationssysteme konzipieren.

Das Erdbeobachtungszentrum (EOC) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt im Rahmen des Projekts neue Algorithmen im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Für die Abschätzung von Risiken müssen potentiell betroffene Objekte, wie Gebäude und Infrastrukturen detailliert charakterisiert werden. Hierzu kommen automatisierte Methoden zum Einsatz, die die notwendigen Informationen aus Satellitendaten und bodengestützten Erhebungen extrahieren und somit eine flächendeckende Kartierung erlauben.

Mit RIEGOS kann das EOC seine Expertise in der Generierung fernerkundungsbasierter Informationsprodukte für Naturkatastrophen wie Überflutungen und Vulkanausbrüchen weiterentwickeln. Die methodischen und technischen Arbeiten am szenarienbasierten Systemdemonstrator ergänzen und begleiten bestehende Entwicklungslinien im Institut.

Über das Projekt

RIESGOS wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Fördermaßnahme CLIENT II - Internationale Partnerschaften für nachhaltige Innovationen des Rahmenprogramms Forschung für Nachhaltige Entwicklung (FONA3) gefördert. Der Projektträger Jülich betreut das Projekt im Auftrag des Bundesforschungsministeriums fachlich und administrativ. Das RIESGOS-Projektkonsortium setzt sich aus folgenden akademischen Forschungseinrichtungen und Industriepartnern zusammen: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, DeutschesGeoForschungsZentrum, Alfred-Wegener-Institut, Technische Universität München, 52 North, geomer GmbH, EOMAP GmbH & Co.KG, plan + risk consult, DIALOGIK. Folgende assoziierte Partner unterstützen das Projekt: GIZ, UNOOSA / UN-SPIDER, UNESCO und MunichRE. RIESGOS kooperiert mit einer Vielzahl von Forschungspartnern und Behörden in den südamerikanischen Partnerländern Chile, Ecuador und Peru und plant, diese Zusammenarbeit im Laufe des Projektes auszubauen.

Dieser Artikel wurde am 11. Juni 2018 online publiziert. Wir veröffentlichen den Text an dieser Stelle mit freundlicher Genehmigung des DLR Earth Observation Centers.