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Fast Facts
Anpassung an den Klimawandel
Regionaler Schwerpunkt
Jordanien
Laufzeit
01.06.2021 - 31.05.2024
Fördervolumen
1.775.335 €
Förderkennzeichen
01LZ2006A-F
Kontakt

Koordinator: ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung

Ansprechpartnerin: Dr. habil. Katja Brinkmann

Adresse: Hamburger Allee 45, 60435, Frankfurt am Main

Tel+49 (0) 69 707 6919-42@tel

E-Mail: @email

 

Projektpartner in Deutschland

  • Hochschule Koblenz; Potsdam Institut für Klimafolgenforschung
  • Hamburger Stadtentwässerung AöR
  • KISTERS AG
  • Institut für technisch-wissenschaftliche Hydrologie GmbH

 

Projektpartner in Jordanien

  • Ministry of Environment of Jordan; Ministry of Water and Irrigation of Jordan
  • National Agricultural Research Center
  • Greater Amman Municipality
  • Petra Development and Tourism Region Authority
CapTain Rain

Wassersammlung und -ableitung bei Starkregenereignissen in Jordanien

Der Nahe Osten ist besonders stark vom Klimawandel und klimatischen Extremereignissen, wie Dürreperioden und Starkregenereignisse, betroffen. In Jordanien haben in den letzten Jahren wiederholt Starkregenereignisse zu Sturzfluten mit enormen Schäden geführt. Die Minimierung solcher Schäden, aber auch die Maximierung des Nutzens von Starkregen über verbesserten Wasserrückhalt in einem der wasserärmsten Länder der Welt, ist das Forschungsthema von CapTain Rain.

Sturzflutereignisse besser vorhersagen und Schäden minimieren

Im gesamten Nahen Osten kommt es immer wieder zu  Starkregenereignissen und dramatischen Sturzfluten. In den letzten 50 Jahren verursachten Sturzfluten in Jordanien wiederholt Todesfälle und sehr hohe Sachschäden. Bislang fehlt es an hydrologischen und meteorologischen Grundlagenwissen, um das Auftreten und die Intensität von Starkregenereignissen und Sturzfluten in Wadi-Systemen vorhersagen zu können. Frühwarnsysteme funktionieren daher nur eingeschränkt und auch die Entwicklung risikomindernder Maßnahmen ist erschwert. CapTain Rain zielt daher in Jordanien auf eine Überarbeitung und Verbesserung der derzeitigen Methoden und Instrumente zur Sturzflutvorhersage und -vermeidung ab und entwickelt Empfehlungen für ein an die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzern angepasstes Risikomanagement- und Frühwarnsystem. Für die Bevölkerung sollen entsprechende Klimadienste entwickelt werden zur Starkregenvorsorge und Verhalten im Katastrophenfall.

Trotz ihrer zerstörerischen Kraft spielen Starkregenereignisse eine Schlüsselrolle im Wasserkreislauf (semi-)arider Regionen, da sie knappe Wasserressourcen wieder auffüllen. Angesichts der steigenden Dürregefahr und Wasserknappheit ist es deshalb wichtig, den Regen aufzufangen und nutzbar zu machen. In diesem Zusammenhang untersucht CapTain Rain Maßnahmen für die Ableitung, den Rückhalt und die Nutzung von Starkregenfällen und für die Verbesserung der Starkregenvorsorge der lokalen Bevölkerung. Die Untersuchung erfolgt entlang eines Stadt-Land Gradienten und umfasst Amman und Petra. Neben traditionellen Verfahren zur Rückhaltung, Speicherung und Nutzbarmachung von Regenwasser (Abbildung 1) wird in urbanen Gebieten das Konzept der multifunktionalen Flächennutzung zur Starkregenvorsorge eruiert.

Widerhergestellte historische Dämme im Wadi Musa in Petra, Jordanien
Widerhergestellte historische Dämme im Wadi Musa in Petra, Jordanien. © Katja Brinkmann

Integrierte Vulnerabilitätsanalyse

CapTain Rain verfolgt ein Konzept für die Vulnerabilitätsanalyse von Sturzfluten (Abbildung 2), welches die Analyse der sozial-ökologischen Ursachen von Sturzfluten und die Identifizierung, Kartierung und Bewertung des Sturzflutrisikos (Exposition und Sensitivität) beinhaltet. Zudem sollen aus der Perspektive der lokalen Bevölkerung die Risikowahrnehmungen erfasst und Strategien zur Anpassung an Starkregenereignisse entwickelt werden. Anhand von modellbasierten Szenarien werden Maßnahmen zur Verbesserung der Anpassungskapazität der lokalen Bevölkerung einschließlich Technologien zur Ableitung und Nutzung des Wassers von Starkregenereignissen entwickelt und kollaborativ bewertet. Dabei kommen unterschiedliche Forschungsmethoden wie Klima- und hydrologische Modellierung, Fernerkundungstechniken, partizipative GIS-Methoden, integrierte Risikobewertung, Stakeholder-Workshops, Experteninterviews und Szenarioanalyse zur Anwendung.

Zur Verbesserung der Starkregenvorsorge sind integrierte Ansätze erforderlich, die lokales und wissenschaftlich basiertes Wissen berücksichtigen. Die Integration der unterschiedlichen Wissensstände der Akteure ist Basis für die transdisziplinäre Forschung an der Forschungsinstitute und Universitäten, Verwaltungsbehörden und Ministerien sowie KMUs aus Deutschland und Jordanien beteiligt sind.

Projektansatz für die integrierte Vulnerabilitätsanalyse von Sturzfluten in CapTain Rain.
Projektansatz für die integrierte Vulnerabilitätsanalyse von Sturzfluten in CapTain Rain. © Katja Brinkmann

Zielgruppenorientierte Entwicklung von Klimadiensten

Verbesserungen bei der Vorhersage von Sturzfluten sowie beim Risikomanagement haben in Jordanien hohe politische Priorität, sind aber noch nicht hinreichend in die Praxis umgesetzt. CapTainRain soll dazu beitragen, wissenschaftliche Ergebnisse in die Praxis zu transferieren über sogenannte „Klimadienste“, die verständlich und nutzerfreundlich bereitgestellt werden sollen. In CapTain Rain erfolgt die Entwicklung von Klimadiensten in enger Zusammenarbeit mit jordanischen Akteuren und Praxispartnern unter Berücksichtigung wissenschaftlicher und lokaler, praxisorientierter Erkenntnisse.  Klimadienste wie Sturzflutrisikokarten, Instrumente zur Verbesserung der Vorhersage von Sturzfluten sowie Empfehlungen für vielversprechende Anpassungsstrategien und Frühwarnsysteme werden partizipativ und zielgruppenorientiert aufbereitet und verfügbar gemacht, um Entscheidungsprozesse für die Starkregenrisikovorsoge und das Risikomanagement zu erleichtern.

Auftakt für das Projekt CapTain Rain

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Wiederhergestellte historische Dämme im Wadi Musa in Petra, Jordanien
Das CLIENT II Forschungsprojekt CapTain Rain ist mit einem Stakeholder-Workshop in Amman, der Hauptstadt Jordaniens, gestartet. Im Fokus des Projektes stehen der Schutz vor Starkregenereignissen, die in der Vergangenheit wiederholt Sturzfluten ausgelöst und dadurch große Schäden verursacht haben. Das BMBF berichtet auf seiner FONA-Website vom Projektauftakt.