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Fast Facts
Anpassung an den Klimawandel
Wassermanagement
Naturrisiken
Regionaler Schwerpunkt
Vietnam
Laufzeit
01.05.2019 - 30.04.2022
Fördervolumen
1.396.012 €
Förderkennzeichen
01LZ1703A-H
Kontakt

Koordinator: Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) - Department für Geographie

Ansprechpartner: Prof. Dr. Matthias Garschagen

Adresse: Luisenstr. 37, 80333 München

Tel.: +49 89 2180-4141;

E-Mail: m.garschagen@lmu.de

 

Projektpartner in Deutschland

  • Ludwig-Franzius-Institut, Leibniz Universität Hannover
  • Global South Studies Center, Universität zu Köln
  • Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ), Potsdam
  • Eberhard Karls Universität Tübingen
  • plan + risk consult – Prof. Dr. Greiving & Partner, Dortmund
  • THINK - Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz GmbH, Jena
  • WTM Engineers International GmbH, Hamburg

 

Projektpartner in Vietnam

  • People’s Committee’s Ho Chi Minh City Institute for Development Studies (HIDS), Ho Chi Minh City (HCMC)
  • Southern Institute for Water Resources Research (SIWRR), HCMC
  • Southern Institute of Social Sciences (SISS), HCMC
  • Steering Center of the Urban Flood Control Program (SCFC), HCMC Viet Nam National University; University of Social Sciences and Humanities (USSH), HCMC
  • Central Institute for Economic Management (CIEM), Hanoi
  • Public and Environment Target CO, LTD (EPT), HCMC
DECIDER

Entscheidungen für das Design von Anpassungspfaden und die integrative Entwicklung, Evaluierung und Governance von Strategien zur Minderung des Hochwasserrisikos in sich wandelnden Stadt-Land Systemen

In Folge starker Urbanisierungsprozesse und der Auswirkungen des Klimawandels warnt der Weltklimarat IPCC vor einem rapiden Anstieg des Hochwasserrisikos in küstennahen Megastädten, besonders in Asien. Ho Chi Minh City, Wirtschaftsmotor und größte Stadt Vietnams, ist hierfür ein gravierendes Beispiel und im globalen Vergleich eine der am stärksten betroffenen Küstenstädte. Für die Entwicklung und Implementierung von nachhaltigen Anpassungspfaden erarbeitet das deutsch-vietnamesische Projekt DECIDER eine integrierte Abschätzung zukünftiger Risikotrends an der Schnittstelle von Klimawandelauswirkungen, Stadtwachstum und sozioökonomischer Umwälzung sowie eine vergleichende Bewertung möglicher Maßnahmen zur Hochwasserrisikominderung.

Anpassungspfade: Der Weg ist das Ziel

Überflutungen stellen ein zunehmendes Problem für die nachhaltige Entwicklung von Städten und regionalen Wirtschaftssystemen dar. In Vietnam und speziell im Großraum Ho Chi Minh City sind die prognostizierte Zunahme pluvialer und fluvialer Hochwasser­ereignisse, küstennaher Stürme sowie der Anstieg des Meeresspiegels Anlass zur Sorge. Ungeachtet dieser zunehmenden Risikotrends und konfrontiert mit tiefer klimatischer und sozioökonomischer Unsicherheit ringen die vietnamesischen Behörden und andere betroffene Akteure mit der Entwicklung, Analyse und Evaluierung angemessener und praktikabler Anpassungsmaßnahmen. Während derzeit verschiedene Optionen von den Behörden in Ho Chi Minh City diskutiert werden, wird der Entscheidungsfindungsprozess durch erhebliche Wissenslücken und einem Mangel an praktischen Planungshilfen behindert.

Sozialräumliche Disparitäten, Wachstum und Hochwasserrisiken in HCMC. © M. Garschagen
Sozialräumliche Disparitäten, Wachstum und Hochwasserrisiken in HCMC. © M. Garschagen

Das Ziel von DECIDER ist die wissensbasierte Konzeption, Evaluierung und Umsetzung dynamischer Anpassungspfade im Kontext zunehmender Hochwasserrisiken in sich wandelnden Land-Stadt Systemen. Das Projekt nutzt Ho Chi Minh City und dessen Hinterland als Pilotprojekt. Jedoch wird auch der Transfer der Ergebnisse, Methoden und Instrumente in durch ähnlichen Anpassungsdruck geprägte Küstenstädte wie Bangkok, Dhaka oder Jakarta angestrebt.

DECIDER entwickelt und erprobt einerseits innovative Methoden zur Abschätzung zukünftiger Risikopfade. Dabei werden nicht nur zukünftige Veränderungen von Hochwassergefahren beachtet, sondern auch des Stadtwachstums und somit der Exposition zukünftiger Infrastruktur. Auch sich verändernde Muster sozialer Verwundbarkeit werden berücksichtigt. Hierzu werden qualitative Szenario-Verfahren mit quantitativer Modellierung kombiniert. Andererseits entwickelt und erprobt das Projekt innovative und integrative Methoden zur multidimensionalen Evaluierung unterschiedlicher Anpassungsoptionen. Dabei soll über herkömmliche und zu kurz greifende Konzepte wie z.B. der rein ökonomischen Kosten-Nutzen-Rechnungen hinausgegangen werden. Aspekte der sozialen Akzeptanz, politischen Umsetzbarkeit oder ökologischen Verträglichkeit werden verstärkt abgebildet, um aktuelle Sackgassen der Anpassungs-Governance zu überwinden.

Transdisziplinarität und Handlungswissen

DECIDER baut auf eine transdisziplinäre Zusammenarbeit vietnamesischer und deutscher Partner. Ein wichtiges Anliegen des Projekts besteht in der Integration und Weiterentwicklung bisher eklektischer Perspektiven auf etablierte Anpassungsmöglichkeiten (z.B. großangelegte Lösungen wie Deiche vs. dezentralisierte Maßnahmen auf Gebäudeebene, grüne vs. graue Infrastruktur, formelle vs. informelle Anpassungsmechanismen). Das Projekt schafft einen kohärenten Rahmen zur vergleichenden Analyse und Evaluierung der Stärken und Schwächen unterschiedlicher Optionen. Die Evaluationsmethoden und Ergebnisse werden in ein Tool zur Entscheidungsunterstützung überführt. Informationen über Anpassungsmöglichkeiten liegen bislang nicht gebündelt vor. Stattdessen agieren Interessenvertreter auf Basis eigener Logiken. Synergien bzw. Konflikte zwischen spezifischen Anpassungsmaßnahmen sind bislang weitgehend unbekannt. Das Decision Support Tool (DST) soll Planer im Hochwasserschutz und der Stadtplanung, politische Entscheidungsträger, Beratungsfirmen sowie Nichtregierungsorganisationen daher in der Gestaltung von Anpassungspfaden unterstützen, indem Informationen zu (zukünftigen) Hochwassergefahren, Verwundbarkeiten, möglichen Anpassungsoptionen, deren rechtliche Rahmenbedingungen, Auswirkungen, Kosten sowie möglichen Synergien und Konflikten bereitgestellt und bewertet werden.

Hochwasser in HCMC
Hochwasser in HCMC. © xuanhuongho / Shutterstock.com

Kooperation mit den Nutzern

Um eine nachhaltige Nutzung sicherzustellen, wird das DST in Kooperation mit späteren Nutzern wie Behörden, Firmen und der Zivilgesellschaft entwickelt. DECIDER ermöglicht zudem die Anwendung des DST in anderen Städten mit ähnlichem Anpassungsdruck und fördert gezielt den Transfer durch entsprechende Maßnahmen während des Projektes.

Auf diese Weise kann DECIDER einen nachhaltigen Beitrag zur erfolgreichen Minderung des Hochwasserrisikos in Küstenstädten weltweit leisten. Das Projekt unterstützt somit die Umsetzung nicht nur der globalen Ziele zur Katastrophenminderung, sondern auch zur Klimawandelanpassung und letztendlich nachhaltigen Entwicklung im Allgemeinen.